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Bankrun in Griechenland: Goldpreis zieht an

16. Januar 2015

Vor den entscheidenden Wahlen in Griechenland setzt erneut ein Bankrun auf griechische Geldhäuser ein. Das Vertrauen in den Euro schwindet mehr und mehr. Seitdem sich nun auch die Schweizer von der Koppelung an den Euro gelöst haben, ist die Zukunft der Gemeinschaftswährung mehr als zweifelhaft. Zwei griechische Banken bitten die Zentralbank um Sonderliquidität.

Für den Euro sieht es derzeit nicht gut aus. Seit dem rabiaten Kurswechsel im Mai 2014, als Mario Draghi den Deckel bei der Marke von 1,40 draufmachte, befindet sich die Gemeinschaftswährung im freien Fall. Die gestrige Loskoppelung der Schweizer von der 1,20er-Marke hat das Misstrauen gegenüber der Währung und den Kursverfall noch einmal beschleunigt. Während der Schweizer Franken innerhalb eines Tages um 20 Cent gegenüber dem Euro aufwertete, verlor dieser noch einmal zwei Cent gegenüber dem US-Dollar und notiert aktuell bei 1,15. Auch in Griechenland schafft der drop out der Schweizer neue Probleme: Die Banken sehen sich plötzlich mit einer Liquiditätslücke von 2 Mrd Euro konfrontiert.

Der Vertrauensverlust ist groß

Griechische Bürger stürmen derzeit die Banken und heben ihr Geld ab. Die Banken Eurobank Ergasias SA und Alpha Bank SA haben die Zentralbank des Landes um die Bereitstellung von Sonderliquidität gebeten. Zwar entschied der EuGH in den letzten Tagen, dass die EZB im Notfall Staatsanleihen maroder Pleitestaaten aufkaufen darf, um sie vor dem Bankrott zu retten. Allerdings mit Einschränkungen, zum Schutz der Steuerzahler vor unerlaubter Staatsfinanzierung. Griechenland würde nicht zu diesen Ländern gehören, weil es von der Troika überwacht wird. Das heißt: ein offizieller Bankrott Griechenlands steht jetzt wieder zur Debatte. Der EuGH, der eigentlich als „Retter in Not“ fungieren sollte, setzt den Griechen quasi die Pistole auf die Brust. Da es Griechenland bisher nicht geschafft hat, aus dem Hilfsprogramm der Troika auszusteigen und sich am freien Markt zu finanzieren, scheidet eine Rettung über die EZB und den Ankauf von Staatsanleihen aus.

Kontoabhebungen dauern an

Schon seit Dezember räumen die Griechen ihre Konten leer – wohl aus Furcht vor einem Austritt aus der Währungsunion. Offiziell steht ein solcher Schritt gar nicht zur Debatte, weder von Seiten der Griechen noch aus Deutschland. Sollte jedoch die linksradikale Syriza die bevorstehenden Wahlen gewinnen, wird sie in heftige Verhandlungen mit den nördlichen Euro-Ländern treten und einen Schulden-Schnitt verlangen. Als Druckmittel könnte hierbei ein Austritt aus der Währungsunion dienen, was allerdings für die Griechen eine drastische Abwertung der Drachme zur Folge hätte. Die Kontoabhebungen, die im Dezember begannen, haben sich im Januar noch einmal verschärft.

Beratung über ELA Kredite

In der kommenden Woche will die EZB über die sogenannten ELA-Kredite entscheiden, die schon in der Zypern-Krise gewährt wurden und so größere Turbulenzen an den Finanzmärkten verhindert hatten. Die ordnungsgemäße Abwicklung eines bankrotten Landes innerhalb der EU ist allerdings bis heute nicht geregelt, de facto gar nicht vorgesehen. Eine Wahl des bisherigen Präsidenten Samaras würde die Lage für die amtierende EU-Elite einfacher machen, denn mit ihm hätte man einen kooperationsbereiten Verhandlungspartner. Weitere „Rettungspakete“ könnten so leichter auf den Weg geschickt werden. Die Realität sieht jedoch anders aus: Alexis Tsipras, Chef der Linksextremen Syriza-Partei dominiert weiterhin die Meinungsumfragen und wird sich nicht weiterhin von der Troika bedingungslos knechten lassen.

Goldpreis profitiert

Kommen wir zum Goldpreis. Dieser profitiert seit Wochen von der ungewissen Situation. Auffallend ist die enorme relative Stärke des Goldpreises gegenüber dem US-Dollar, aber vor allem gegenüber anderen Rohstoffen. Während Gold normalerweise mit anderen Rohstoffen wie Kupfer und Rohöl aber auch dem Euro stark korreliert, befinden sich diese im freien Fall, während Gold in Dollar seit dem ersten Januar um 85 Dollar zulegen konnte. Auch ein starker Dollar war bisher Gift für den Goldpreis, doch selbst in Anbetracht des stark steigenden Dollars konnte Gold enorm zulegen. Gold ist also im Januar nach einer monatelangen Verlustphase erstmals wieder die stärkste Währung auf dem internationelen Finanzparkett.

Gold Charttechnik

Betrachten wir die Charttechnik so fällt auf, dass der Goldpreis seit November 2014 ab der Marke von 1132 keine neuen Tiefpunkte mehr ausbilden konnte. Mit der Überwindung der wichtigen Chartmarke von 1182 entwickelte sich sogar auf kürzeren Zeiteinheiten ein Aufwärtstrend, der bis heute anhält. Die nächste wichtige Chartmarke von 1240 (Verlauf der EMA 200) wurde gestern im Zuge des Schweizer Franken-Tsunami dynamisch nach oben herausgenommen. Der Vollständigkeit halber muss man aber auch sagen, dass Gold seinen langfristigen Abwärtstrend aus dem Tages- und Wochenchart noch nicht überwunden hat. Die abwärts verlaufende Trendlinie, die dem Goldpreis bei ca. 1300 entgegenkommt aber vor allem das letzte Verlaufshoch bei 1341 werden zeigen, ob der Aufwärtstrend im Gold weitergeht. Vorerst dient die Marke von 1240 als wichtiges Unterstützungslevel und sollte möglichst nicht mehr unterschritten werden.

Saisonalität

Um eine verlässlichere Prognose zu geben, bemühen wir zu guter Letzt noch die Saisonalität. Hier zeigt Gold (Spotpreis) in den verganenen 30 Jahren steigende Kurse bis Februar, um daraufhin eine Korrektur einzuleiten, die bis Ende März/Anfang April dauert. Januar und Februar sind hier vergleichsweise starke Monate für den Goldpreis, während im März ganz klar die Bären das Zepter in der Hand halten. Den größten Zuwachs dürften wir zur Jahresmitte erwarten, wenn Gold Ende Juli aus der Korrektur herauskommt und in die Herbstrallye startet. US-Zwischen- und Vorwahljahre sind hierbei traditionell die stärksten für Gold. Wichtig ist vorerst jedoch, dass die Chartmarke von 1240 nicht mehr langfristig nach unten durchbrochen wird, denn hier verläuft auf die wichtige 200-Tage-Linie.

Goldpreis in US-Dollar im Chart

GOLDDaily

Der Goldpreis im Tageschart: Kurzfristig sehr bullisch, doch auf dem großen Bild muss Gold noch einige Widerstände aus dem Weg räumen.

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