Gold gehört ins Portfolio

Rohstoffe gehören in jedes Portfolio, allein schon um das Risiko zu streuen. Doch Rohstoff ist nicht gleich Rohstoff: Während Gold aufgrund seiner Werthaltigkeit als stabilisierender Faktor gilt, sollten Anleger, die an eine Erholung der Weltwirtschaft glauben, auf Industriemetalle und Energieträger setzen.

Für viele ist Gold noch heute der Klassiker unter den Rohstoffinvestments. Als Münzen oder Barren holen sich Anleger den Wert des Edelmetalls in pysischer Form ins Depot. So manchem Portfolio hat hat der gelbe Schimmer richtigen Glanz verliehen. Mit der brodelnden Finanzkrise und der aufkeimenden Inflationsangst strömten Anleger in Scharen zu dem gelben Metall, von dem sie sich Sicherheit und Stabilität erhoffen. Der Goldpreis durchbrach die Marke von 1000 Dollar/Feinunze  – allein seit Jahresanfang kletterte er um vier Prozent. Das könnte auch so weitergehen. Die langfristigen Inflationsgefahren unterstützen den Goldpreis. Zudem sind die Vorkommen und die Produktionskapazitäten begrenzt, auf der anderen Seite ist die Nachfrage aber anhaltend hoch.

Physisches Gold oder ETFs?

Goldbarren haben einen Nachteil: Sie sind schwer und die Lagerung im Schließfach bei der Bank ist teuer. Günstiger und leichter handelbar sind börsennotierte Indexprodukte. Diese Investments haben den Aufstieg des Goldes beflügelt. Sie zeichnen den Goldpreis nach und lassen den Anleger an der Wertentwicklung teilhaben, ohne dass dieser sich Barren in den Tresor legen muss. Auf das echte Metall müssen Anleger aber nicht verzichten. Die meisten Produkte sind mit Gold hinterlegt. Auf Wunsch können die Anleger sich ihre Barren ausliefern lassen – um im Krisenfall das Gold als Ersatzwährung parat zu haben.

Gold nimmt mit seiner Funktion als Absicherung gegen Krisen eine Sonderstellung ein. Bei anderen Edelmetallen, wie z. B. Silber, spielt der Einsatz als Ersatzwährung eher eine untergeordnete Rolle. So ist bei Silber die Nachfrage aus den Fotolaboren oder der Elektroindustrie weitaus wichtiger. Metalle wie Platin oder Palladium finden neben der Schmuckherstellung vor allem in der Automobilindustrie Verwendung. Damit hängen sie viel stärker an konjunkturellen Schwankungen und eignen sich weniger als Krisenwährung. Dafür stützt die industrielle Nachfrage den Kurs.

Neben einem mit Gold hinterlegten Papier bieten sich für eine Goldinvestition auch Aktien an. Denn Minenwerte wie der größte Produzent Barrick Gold reagieren in der Regel mit einem Hebel von 1,5 bis 3 auf einen steigenden Goldpreis. Hinzu kommt, dass die Branche derzeit auf Konsolidierungskurs fährt. Der Grund: Eine neue Mine aufzubauen kostet etwa genauso viel wie eine zu übernehmen – allerdings verkürzt eine Akquisition die Zeit bis zur Produktion und das Risiko, auf wenig gehaltvolle Vorkommen zu stoßen, ist geringer.

Weniger edel, dafür umso konjunkturabhängiger sind die Industriemetalle. Hierzu zählen Eisenerz, Nickel, Aluminium, Zinn und Blei. Diese haben ein Problem: Contango. Damit bezeichnet man eine bestimmte Preiskonstellation: Der aktuelle Marktpreis liegt unter dem Terminkurs. Daraus folgen die sogenannten Rollverluste. Diese fallen an, wenn von einem Terminkontrakt zum nächsten gewechselt – gerollt – werden muss und der neue Kontrakt teurer als der alte ist. Auch wenn einige Rohstoffexperten bei den Industriemetallen in Kürze eine Korrektur erwarten, bleibt der Aufwärtstrend, doch erst mal erhalten. Denn die stark wachsende chinesische Wirtschaft hat einen ungeheuren Rohstoff-Hunger, und gerade hier werden Industriemetalle benötigt. Der Preisanstieg hängt also eher mit der starken Nachfrage zusammen und weniger mit einer Angebotsverknappung – die Lagerstätten der Handelsbörsen sind in London und Schanghai sind gut gefüllt. Von Chinas Rohstoffhunger profitieren vor allem die geografisch nahen australischen Minen der Bergbaugiganten BHP Billiton und Rio Tinto.

Das Contango kann gerade bei den Energierohstoffen sehr stark ausfallen. So summierten sich die Rollverluste beim Erdgas im vergangenen Jahr auf bis zu 40 Prozent des Preises. Von einem Kursanstieg blieb da nicht viel übrig. Beim Öl fielen die Verluste zwar nicht ganz so drastisch aus, doch auch dieser Markt hat seine Fallstricke. So steuert das Kartell der Erdöl exportierenden Länder (Opec) die Produktionsmengen und damit auch den Preis. Zusätzlich verzerren zunehmend Spekulanten die Kurse.

Solange Investoren an eine Wirtschaftserholung glauben, sollten sie vorwiegend Aktien, sowie Öl- und Gasprodukte kaufen. Denn bei einem Aufschwung der Konjunktur steigt der Energiebedarf und damit der Preis für die Energierohstoffe. Der Ölpreis hat somit einen starken Zusammenhang mit den Aktienmärkten entwickelt.

Für Anleger, die gerne etwas mehr Risiko eingehen eignen sich vor allem Produkte, die durch spezielle Vorkehrungen die Rollverluste mindern. So dehnen manche Anlagevehikel die Zeit des Rollens in den nächsten Kontrakt auf mehrere Tage aus, andere investieren gleich in mehrere unterschiedlich lang laufende Kontrakte gleichzeitig. Ganz vermeiden lassen sich Rollverluste allerdings nie. Es sei denn, man steigt in den Energiesektor über Aktien ein. Insbesondere die Zulieferer wie das italienische Unternehmen Saipem reagieren mit Hebel auf steigende Öl- und Gasnotierungen.

26. Juli 2010
Posted in Gold-Zertifikate — goldanlage @ 14:11

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