Goldpreis-Entwicklung 2012
Das Jahr 2011 ist zu Ende – ein für Goldanleger fulminantes Jahr. Auf Jahressicht glänzte das gelbe Edelmetall auf allen Seiten und bescherte seinen Anlegern das 10. Jahr in Folge einen saftigen Profit, diesmal von ca. 10 %. Damit streckt Gold allen DAX-Investoren ganz deutlich die Zunge raus.
Doch wo Gold ist, ist auch Schatten, das durften wir in den letzten Wochen und Monaten feststellen. Im Sog der gesamten Euro-Schuldenkrise wurden Gold und Silber mit nach unten gerissen. Während der aktuellen mehr als prekären Lage dient der US-Dollar noch immer vielen Anlegern als (vermeintlich) sichererer Hafen als Gold. Noch. Doch wie wir alle wissen, stehen auch die USA vor einem gigantischen Scherbenhaufen aus Schulden, der in Kürze in sich zusammenzufallen droht. Dennoch erweisen sich die Amerikaner bei der Krisenlösung schlicht innovativer, schneller und geschickter als die Europäer und schrecken auch nicht davor zurück, tonnenweise frisches Geld zu drucken, um die eigene Wirtschaft wieder anzuheizen oder den Immobiliensektor aufzupolieren. Europa behindert sich bei solchen Entscheidungen regelmäßig gegenseitig und bleibt steif, plump und unflexibel, wenn es um das Auspacken schlagkräftiger Instrumente gegen die EU-Schuldenkrise geht. Deutschland und der Rest Europas wird sich wohl noch einige Zeit um die Schuldenproblemantik herumwinden, Milliardenpakete schnüren und wahnwitzige Sparpläne aufoktroyieren, letztendlich werden all diese Maßnahmen jedoch vergeblich sein und den folgenden Crash umso gravierender machen. Der DAX wird folglich noch ein Weilchen im Seitwärtstrend pendeln, bis es schließlich in der einen oder anderen Richtung richtig kracht.
Gold – ein Ausblick auf 2012
Doch zurück zum Gold. Das gelbe Edelmetall korreliert derzeit stark mit dem Euro und DAX, während es sich vorher häufig gegenläufig zum Aktienmarkt bewegte und als sicherer Hafen galt. Auf technischer Seite hat die wichtige Unterstützung bei 1560 bisher gehalten, was wenig verwunderlich ist, denn die fundamentalen Daten sprechen weiterhin für eine starke Gold-Hausse. China und Korea kaufen tonnenweise Gold, die großen ETFs stoßen trotz der Korrektur kaum physisches Gold ab. Auch immer mehr Privatanleger in China kommen auf den Geschmack des Goldes, seitdem man in China den privaten Goldbesitz nicht nur erlaubt hat, sondern auch aktiv bewirbt und fördert. Ein Quantensprung für Gold in 2012 wird die neue Goldbörse Pan Asian Gold Exchange in der Provinz Yunman sein, die im Juni eröffnet wird, wordurch sich China vom restlichen Goldmarkt etwas unabhängiger machen will und Millionen chinesischer Anleger (darunter auch immer mehr Millionäre und Milliardäre) den Zugang zu Gold etwas leichter machen möchte. Haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht was passiert, wenn plötzlich Millionen steinreicher Chinesen auf den Goldmarkt drängen und Gold kaufen? Der Handel an der neuen Börse wird nicht in Dollar geführt werden, sondern in der heimischen Währung, den Renminbi. Diese Aktion wird drastische Auswirkungen auf den Goldpreis haben und der Renminbi wird die Leitwährung Dollar im Goldhandel ablösen. Auch Australien hat sich am 04. Oktober mit der Australian Bullion Exchange einen neuen physischen Goldmarkt erschlossen, um unabhängiger von Manipulationen der Notenbanken agieren zu können, die den Goldpreis nur zu gerne drücken, um bei der Bevölkerung bl0ß kein Misstrauen in die eigene (Weich)-Währung aufkommen zu lassen. Unschlagbarer Vorteil der neuen Börse: Sie agiert außerhalb des maroden und stark angeschlagenen Banken- und Finanzsystems, ist folglich bei einem Kollaps autonom.
Gold bleibt für Anleger attraktiv
Der aktuelle Rücksetzer beim Gold ist also nur eine vorübergehende Erscheinung, die beim erneuten Aufkeimen der Schuldenprobleme in den USA und in der Folge einen schwächeren Dollar schnell vorüber sein dürfte. Die Analysten der Bank of America Merrill Lynch erwarten, dass die expansive Geldpolitik, die mittlerweile nicht nur die USA erfasst sondern auch in Europa um sich greift, den Goldpreis wieder antreiben wird. Inflationsangst wird das dominierende Momentum bei den Anlegern sein. Die Analysten halten ein Niveau von 2.000 Dollar bis 2.500 Dollar im laufenden Jahr für erreichbar. Edel Tully von der UBS hatte die Goldpreis-Entwicklung für 2011 gut prognostiziert. Seine Durchschnittsprognose von 1.550 Dollar traf den Jahresdurchschnitt von 1.573 Dollar fast ganz genau. Damit ist er der Prognosesieger für das Jahr 2011. Im aktuellen Jahr erwartet Edel Tully einen durchschnittlichen Goldpreis von 2.050 Dollar. Gold soll demnach als sicherer Hafen wieder weiter an Bedeutung gewinnen.
Silber 2012
Bleibt noch ein letzter Ausblick auf den kleinen Bruder des Goldes: Silber. Der Silberpreis war im letzten Jahr deutlich von Spekulation getrieben, wie die beiden deutlichen Abstürze, einmal von $50 auf $40 und dann noch einmal von $40 auf $26 deutlich machten. Ein paar Margin-Erhöhungen an der CME, und schon war der Spaß vorbei mit der Silberspekulation. Unserer Meinung nach hat die kleine Korrektur dem Silberpreis gut getan, wenngleich die Verluste zahlreiche Anleger die Lust auf Silber verleidet haben. Dennoch bietet Silber unter der 30$-Marke attraktive Einstiegschancen und vor allem enorm viel Potenzial nach oben. Einige Experten erwarten Preise $100, denn vor allem die boomende Elektronikindustrie aber auch der Automobilbau verschlingt tonnenweise Silber. Dennoch ist Silber auch derzeit noch mit Vorsicht zu genießen. Sollte es zum großen Crash kommen, wird Silber noch stärker unter die Räder geraten als Gold, weil es vermehrt industriell nachgefragt wird und somit noch stärker konjunkturabhängig ist. Sich derzeit ein paar Silbermünzen ins Portfolio zu legen dürfte aber keinem Anleger schaden.


