Goldsuche im Rhein
Wer an tonnenweise Gold denkt, denkt in der Regel an den Klondyke, Alaska, Australien oder Afrika. Doch warum in die Ferne schweifen? Auch wenn vom sagenumwobenen Nibelungenschatz wohl nichts mehr zu finden sein wird, der Rhein birgt einen gigantischen Goldschatz.
Der Kiesförderer Holcim aus Rheinzabern in der Südpfalz hat ein neues Hobby: Gold aus dem Rhein. Experten zufolge beherbergt der Fluss gut 500 Tonnen Gold. Bisher war eine Gewinnung des gelben Edelmetalls auf so aufwendige Art und Weise wenig lohnenswert, doch bei Preisen um die 1700 Dollar kann man hier mächtig Gewinne einfahren. Der Zementkonzern fördert hier feinen Goldsand und verarbeitet ihn weiter zu wertvollen Goldnuggets. Das ruft bereits Konkurrenten auf den Plan.
Aufwendige Förderung
Um dem Rhein ein paar Körnchen Gold abzuringen, muss allerdings ein großer Aufwand betrieben werden. Tonnenweise Sand, Stein und Kies müssen gesiebt werden und durch die Zentrifuge, damit am Ende ein paar Gramm Gold übrig bleiben. Doch ein paar Wochen dieser Arbeit ergeben Gold-Nuggets im Wert von rund 15.000 Euro. Dabei stellt die Goldförderung für den Konzern lediglich ein kleiner Nebenerwerb dar, den Großteil des Umsatzes macht Holcim weiterhin mit Kies. Über den tatsächlichen Gewinn, der bei dieser Arbeit für das Unternehmen rausspringt, schweigt sich die Geschäftsleitung bisher aus. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass der Goldförderung ein aufwendiger Lokalisierungsprozess vorausgeht, in den bereits ein sechsstelliger Betrag investiert wurde.
Goldwäsche im großen Stil
Vom Prinzip her funktioniert die Goldgewinnung nach traditioneller Art mit Pfanne und Schaufel, nur im großen Stil. Sand wird sortiert und so lange gerüttelt, gewaschen und geschüttelt, bis das schwere Gold sich vom Rest des geborgenen Materials absetzt. Um die kleinen Goldpartikelchen an die Oberfläche zu bekommen, setzen die Förderer Seifenschaum ein. Im Vergleich zu anderen Methoden, in den beispielsweise Quecksilber zum Einsatz kommt, eine sehr umweltfreundliche Methode. Auf diese Weise erhält man einen Reinheitsgrad von 94%.
Rhein knüpft an seine goldene Vergangenheit an
Auch wenn es im Rhein bisher nicht die Mengen Gold gab wie beispielsweise im Klondyke, so hat auch unser Fluss eine goldene Vergangenheit. Vor 180 Jahren, als der Rhein nach Plänen von Johann Gottfried Tulla begradigt und viel Sand und Kies bewegt wurde, hatte die Goldgewinnung hier ihren Höhepunkt. Allein im Jahr 1831 wurden 13 Kilogramm Gold in Baden und 5 Kilogramm in der Pfalz zu Tage gefördert. Für die Jahre 1800 bis 1869 schätzt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover den Gesamtertrag auf 305 Kilogramm Gold. Wissenschaftler vermuten im Rhein zwischen Basel und Mannheim insgesamt ca. 500 Tonnen Gold. Die Kunst ist nur, es zu bergen und zu schmelzen. Gründe, die für einen weiterhin hohen Goldpreis sprechen.



Eine Förderung von Gold im Rhein, wäre sicherlich ein gutes Geschäft, aber würde sich nur im großen Stil lohnen. Die privaten Goldwäscher sind dann wohl besser in Alaska aufgehoben.
Kommentar by Jochen — 20. Januar 2012 @ 15:22