Riskante Förderung treibt den Goldpreis in die Höhe
Die Produktion des gelben Edelmetalls wird nicht nur immer gefährlicher, sondern auch immer kostspieliger. Die Folge: Der Goldpreis geht in die Höhe.
Thabiso Sekonyela wurde nur 25 Jahre alt. Der junge Mann aus Lesotho hatte erst im Januar seine Frau und das gerade geborene Kind verlassen, um in Johannesburg Arbeit zu finden. “Bei uns kannst Du reich werden”, versprach ihm ein Mann in Welkom, etwa 200 Kilometer von seinem Heimatort entfernt. “Wir graben nach Gold und suchen starke Männer”, lockte er den arbeitslosen Familienvater. Dieser stimmte rasch zu – auch weil die Arbeit in den Goldminen Südafrikas für die unter 30-Jährigen in Lesotho als Männlichkeitsbeweis gilt.
In Johannesburg, der “Goldstadt”, begann vor über 100 Jahren der Goldrausch in Südafrika. Seitdem zieht die Stadt alle an, die vom großen Geld träumen. Dass die Grube Elands, in die er gebracht wurde, nicht mal bei Johannesburg liegt und auch nicht mehr regulär arbeitet, störte Thabiso nicht. “Du wirst hier nicht nur reich entlohnt, sondern richtig an der Goldförderung beteiligt“, wurde ihm versichert. Und so arbeitete er mit Dutzenden anderen wochenlang unter Tage, schlief sogar im Stollen. Ein knappes halbes Jahr lang – bis ein Feuer ausbrach. Thabiso und 90 seiner Kollegen kamen ums Leben, bis zur Unkenntlichkeit verbrannt oder im Rauch erstickt.
Illegale Bergleute werden in Afrika “Zama-Zama” genannt – die, die ihre Chance wahrnehmen. Sie bauen in den alten Schächten, die große Konzerne als unprofitabel aufgegeben haben, verbotenerweise Gold ab. Für die Bergbauriesen ist es lukrativer, sich in neuen Stollen immer tiefer in die Erde zu graben.. Man schätzt, dass zwischen 3500 und 5000 Meter unter Tage noch einmal so viel Gold liegt, wie bisher abgebaut wurde.
Der Konzern Anglogold Ashanti ist schon dabei, sich in diese Zukunft vorzubohren. Die mit 3778 Metern bereits tiefste Goldmine der Welt, Mponeng, soll in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren auf 5000 Meter erweitert werden, um an die dort erkundeten zehn Millionen Unzen Gold heranzukommen. Auch in zwei anderen Anglo-Gruben reichen die Bohrungen immer tiefer.
Dieses Ziel hat sich auch das zweitgrößte afrikanische Goldunternehmen, Gold Fields, gesetzt. Der Konzern erwarb Anfang 2007 die Mine South Deep – für stolze 2,5 Milliarden Dollar. Experten prognostizieren, dass South Deep mit 30 Millionen Unzen die größten Reserven der Welt birgt. Wie schwierig der Griff in die Ressourcen ist, erlebte Gold Fields gleich nach der Übernahme: schwere Unfälle, Feuer und Überflutungen. Wegen aufwendigen Reparaturarbeiten musste die Mine monatelang stillgelegt werden. Im vorigen Jahr konnte man in South Deep zwar schon wieder 230.000 Unzen fördern – das ist jedoch nur halb so viel wie noch 2005.
Gold Fields lässt sich dennoch nicht entmutigen. Das Unternehmen will jedes Jahr 90 Millionen Euro investieren, damit South Deep endlich zur erwünschten Goldgrube wird. Während das gegenwärtige Abbaugebiet schon jetzt in etwa 2000 Metern Tiefe liegt, treibt die Firma den Hauptschacht immer weiter ins Erdinnere. In zwei Etappen stoßen die Bohrer bis in eine Tiefe von 3250 Metern vor. Die Fachleute des Konzerns arbeiten bereits an Plänen für noch tiefere Bohrungen.
Das wird teuer. So tief im Erdinnern herrschen Temperaturen von 60 Grad – die Kühlung der Anlagen ist aufwendig und erst bei einem Goldpreis von über 1000 $/Unze wirtschaftlich. Die südafrikanischen Unternehmen sehen keine andere Chance für sich. Die ertragreichen bodennahen Erzadern wurden in den vergangenen 100 Jahren längst abgebaut. Das zeigt sich auch in der Jahresproduktion: Die Förderung dort stiegt 1970 auf bis zu 1000 Tonnen/Jahr, im vergangenen Jahr waren es laut World Gold Council nur noch 250 Tonnen – weniger als in China. Südafrikas Goldförderer suchen und erschließen daher zunehmend Lagerstätten außerhalb des eigenen Landes. Brachenführer Anglogold Ashanti fördert bereits die Hälfte des Goldes im Rest der Welt. Und zwar nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent. Das Unternehmen expandiert in Argentinien und Brasilien, sucht in Kolumbien und im Nahen Osten, in Kanada und sogar in der Eiswüste von Alaska.
Gold Fields wiederum konzentriert sich auf neue Lagerstätten in Peru, Chile, Kirgistan, Kanada, Mali, Australien und auf den Philippinen. Dort ist auch die Förderung billiger – in Südafrika machen Arbeitskräfte und Energie bereits zwei Drittel der Kosten aus. Die Produzenten sieben nun sogar Gesteinshalden aus vergangenen Zeiten erneut durch, um das darin verbliebene Gold zu gewinnen. Allein rund um die Metropole Johannesburg erheben sich beinahe 200 Abraumberge.
Die Methoden der Goldgewinnung sind heute besser geworden, erklärt man bei DRD Gold in Carletonville, wo gerade eine nahegelegene Halde abgebaut wird. Sie ragt 36 Meter in die Höhe und ist mit 530.000 Quadratmetern Fläche größer als die Vatikanstadt in Rom. Mächtige Wasserkanonen beschießen die Sandhalde, der Schlamm fließt nach unten ab und wird dann von einer Pumpanlage durch die Pipeline ins Werk befördert. Die Produktionsweise ist billig, denn der teure Teil, nämlich der Untertage-Abbau und das Zermahlen der Gesteinsmassen wurde ja schon damals erledigt. In nur fünf Jahren soll die Halde bei Carletonville komplett abgearbeitet sein. Dann wird man aus 24 Millionen Tonnen Abraum sechs Tonnen Gold gewonnen haben. Mit der heutigen Technik lässt sich immerhin die Hälfte des im Sand verbliebenen Goldes herausfiltern.
Über derart ausgefeilte Technologien verfügen die illegalen Bergleute allerdings nicht. Die Zama-Zama versuchen in ihren Bergarbeiterwohnheimen, das geförderte Gold mit Quecksilber vom Erz zu trennen. Das funktioniet zwar, erzeugt aber hochgiftige Dämpfe. Mit spezialisierten Helfern wird die Beute dann ins Ausland geschmuggelt und dort verkauft. Um die Einnahmequellen der Zama-Zama trockenzulegen, veranstalten Minenkonzerne immer wieder Razzien. 700 der illegalen Arbeiter wurden allein in den vergangenen Monaten gefasst. Der Umsatz der Goldpiraten beläuft sich etwa 200 Millionen Euro jährlich. Der verbotene und gefährliche Goldabbau lässt sich allein durch Razzien allerdings nicht stoppen. Rasch findet man wieder neue Arbeiter, die für eine Handvoll Geld ihr Leben riskieren.


