Warum ist Gold besser als Geld? – Teil 2
In der Fortsetzung des Artikels Warum ist Gold besser als Geld? – Teil 1 geht es darum, die Machenschaften der Notenbanken etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und einige Anlagetipps auszusprechen.
Drücken die Notenbanken also den Goldpreis?
Man muss nicht zu den Goldfanatikern gehören, um zu erkennen, dass ein steigender Goldpreis ein nachlassendes Vertrauen in die Papierwährung signalisiert – und dass weder Regierungen noch Zentral- und Geschäftsbanken ein Interesse daran haben.
Verkäufe sollten vor allem einen Anstieg des Goldpreises verhindern, oder ihn zumindest schwächen, sagt Dimitri Speck. Der Entwickler von Handelssystemen für institutionlle Anleger trägt in seinem gerade erschienen Buch mit dem Titel “Geheime Goldpolitik – Warum die Zentralbanken den Goldpreis steuern” einige Fakten zusammen, die belegen, dass seit den neunziger Jahren systematisch in den Goldmarkt eingegriffen wird.
Zur Praxis der Goldleihe als Instrument der Preisbeeinflussung äußerte sich zum Beispiel der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan am 30. Juli 1998 vor einem Senatsausschuss: ”
Auch können private Kontraktpartner das Angebot von Gold, einer weiteren Ware, die oft im Interbankenhandel gehandelt wird, nicht beschränken, denn die Zentralbanken sind bereit, Gold in steigender Menge zu verleihen, sollte sein Preis steigen.
Fünf Jahre vorher, am 18. Mai 1993, hatte Alan Greenspan auf einem Treffen der US-Notenbank Fed über den Verkauf von Gold gesprochen, der einen Anstieg des Goldpreises verhindern sollte. Fed-Treffen werden protokolliert, die Protokolle nach fünf Jahren veröffentlicht. Im Protokoll des besagten Treffens entdeckte Speck ein Zitat von Greenspan über ein Gespräch mit seinem Vize David Mullins, der im Jahr darauf beim späteren Pleite-Hedgefonds Long Term Capital Management anheuerte. Von diesem Gespräch berichtete Greenspan seinen übrigen Kollegen: “Wenn wir es hier mit Psychologie zu tun haben, dann hat das Thermometer, das man zum Messen verwendet, einen Einfluss. Ich habe die Frage am Rande des Treffens mit Gouverneur Mullins aufgworfen, was passieren würde, wenn das Schatzamt etwas Gold in diesem Markt verkaufte.”
“Wenn der Goldpreis im aktuellen Umfeld nach oben ausbrechen würde,” so Greenspan weiter, “wäre das Thermometer nicht nur ein Messgerät. Es würde fundamental die zugrundeliegende Psychologie beeinflussen.” Die Fed stand damals vor dem Problem, dass in einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld die Inflationsrate zu steigen drohte. Steigende Goldpreise hätten zunehmende Inflationserwartungen signalisiert und so der Fed ihre Aufgabe – eine Inflation in Grenzen zu halten – zusätzlich erschwert. Speck sagte dazu: “Die Interventionen gegen Gold wurden eingeleitet, damit das Thermometer niedrige Werte aufweist – und kein Fieber.”
Mit ihren Markteingriffen legten die westlichen Notenbanken aber letztlich den Grundstein für die nach 2001 gestartete Gold-Hausse. Am Ende setzen sich die freien Marktkräfte stets gegen staatliche Eingriffe durch. Bei Gold zeigte sich dies zuletzt nach dem Zusammenbruch des 1944 gegründeten Währungssystems von Bretton Woods.
In diesem System fester Wechselkurse waren alle beteiligten Währungen an den Dollar gebunden. Die USA verpflichteten sich, jederzeit Gold zum festen Preis von 35 Dollar pro Feinunze zu kaufen und zu verkaufen, der Dollar stieg zur wichtigsten Währung auf. Weil die Fed die Dollar-Goldmenge aber über den Goldbestand der USA hinaus erhöhte, konnten die USA Ende der sechziger Jahre ihre Verpflichtung, Dollar-Reserven gegen Gold einzulösen, nicht mehr erfüllen. Die westlichen Notenbanken verkauften rund 3000 Tonnen, um das Verhältnis von Gold zu Dollar zu stützen.
Das half nicht: Im August 1971 gab Präsident Richard Nixon das Ende der Einlöseverpflichtung bekannt. Das Drucken frischer Dollarnoten wurde nicht mehr gebremst. Der Dollar wurde schwächer, der Goldpreis stieg im Gegenzug um bis zu 2300 Prozent. “Seit 1992 ist eine Beschleunigung des Kreditwachstums die Standardantwort auf jeden befürchteten Abschwung der US-Wirtschaft,” sagt Investment-Profi Marc Faber. Wie das im Notfall abläuft, skizzierte der seit 2006 amtierende US-Notenbankchef Ben Bernanke in einer berühmt gewordenen Rede im November 2002 in Washington: “Wie Gold haben US-Dollar nur in dem Maß einen Wert, wie sie in ihrem Angebot strikt limitiert sind. Aber die US-Regierung hat die Druckerpresse, dies ihr ermöglicht, so viele Dollar zu drucken, wie sie wünscht.” Bernanke weiter: “In einem Papiergeldsystem ohne Edelmetalldeckung kann eine Regierung jederzeit die Ausgaben erhöhen und somit eine positive Inflation schaffen.”
Ein Mann, ein Wort. Bernanke hat es damit zur Person des Jahres 2009 (“Time”) gebracht. Inflationspolitik trägt das akademische Gütesiegel “Quantitative Lockerung”. Nur ändert das Siegel nichts daran, dass diese Politik für faktisch unlimitiertes Geld drucken steht. Bernanke und seine geistigen Verwandten bewegen sich gegensätzlich zu der Lehre der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, deren Vertreter Ludwig von Mises bemerkte: “Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines durch Kreditexpansion ausgelösten Booms zu vermeiden. Die Frage ist nur, ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe einer weiteren Kreditexpansion kommen soll oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems.”
Bernanke & Co haben den zweiten Weg eingeschlagen, und sie werden nicht auf halber Strecke kehrt machen – trotz aller Gedankenspiele über mögliche Strategien, die es den Notenbanken ermöglichen sollte, das locker geschöpfte Geld irgendwann wieder einzuziehen.
So überrascht es nicht, dass man nun versucht, Inflationspolitik gesellschaftsfähig zu machen. IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard ließ neulich einen Versuchsballon los, indem er den Notenbanken nahelegte, statt rund zwei Prozent künftig etwa vier Prozent Inflation zuzulassen. Der unabhängige US-Statistiker John Williams ermittelt die Inflation noch mit den statistischen Methoden von 1980. Nach dieser Lesart wären die US-Verbraucherpreise im Januar 2010 im Jahresvergleich nicht um 2,6 Prozent gestiegen, sondern um tatsächlich fast 10 Prozent. Anleger tun nun gut daran, sich auf längere Sicht auf eine höhere Entwertung ihres Vermögens gefasst zu machen. Der Produktion von Papiergeld sind keine Grenzen gesetzt, der Produktion von Gold dagegen schon.
Goldproduktion rückläufig
Derzeit überwiegt noch Werbung à la Calmund, die zum Tausch von Altgold in Papiergeld animieren will gegenüber derjenigen, der Goldanbieter, die zum Kauf von Barren und Münzen animieren will. Für Goldanleger ist das positiv – ein Zeichen dafür, dass sich bei Gold noch keine Anlageblase aufgebaut hat. Diese Gefahr besteht frühestens, wenn das breite Anlegerpublikum aufgesprungen ist. Weit mehr Bedeutung als Altgold hat für das Goldangebot die Minenproduktion. Etwa zwei Drittel des jährlich angebotenen Goldes kommen neu aus dem Boden. Die Produktion aber geht, trotz des Preisanstiegs seit 2001, tendenziell zurück. Aaron Regent, Chef des weltgrößten Goldkonzerns Barrick Gold, spricht deshalb schon von “Peak Gold” – wie beim Öl könnte der Gipfel der Produktion schon überschritten sein. Es sei immer schwieriger, neues Gold zu finden, sagt Regent. Wenn tatsächlich neue Vorkommen entdeckt werden, sind es solche mit sehr geringem Goldgehalt im Gestein. In Goldbergwerken in Australien, Kananda und den USA verringerte sich der Goldanteil seit 1950 von durchschnittlich zwölf Gramm pro Tonne auf heute knapp drei Gramm pro Tonne. Im ehemals wichtigsten Förderland Südafrika wurden 1970 nach 1000 Tonnen Gold gefördert, zuletzt waren es nur noch etwas mehr als 200 Tonnen. Der südafrikanische Geologe Chris Hartnady schätzt, dass die Produktion hier innerhalb von zehn Jahren dauerhaft unter 100 Tonnen fallen wird.
Nach Angaben des US Geological Survey betragen die wirtschaftlich abbaubaren Goldreserven auf der Welt noch 47.000 Tonnen. Gemessen an der Förderung der Minen, reichten die noch rund 20 Jahre. Rechnet man dazu noch 53.000 Tonnen, die zu heutigen Preisen und mit heutiger Technik noch nicht förderbar sind, plus die geschätzten 165.000 Tonnen, die bisher auf der Welt gefördert wurden, kommt man auf 265.000 Tonnen. Mehr Gold gibt es nicht auf der Erde – es sei denn die Außerirdischen schicken uns neues Gold.
Aktien, Goldbarren und Goldmünzen
Anleger können auch über Goldminenaktien Gold kaufen – Gold, das noch im Boden liegt. In einer Goldhausse steigt der Wert dieser Aktien noch stärker als der von physischem Gold. Das belegen die Zahlen aus dem Inflationsjahrzehnt der Siebziger Jahre. Damals gewannen die im US-Index S&P 500 notierten Goldaktien nominal 560 Prozent, nach Abzug der Inflation, also real, 250 Prozent. Besser schnitten damals nur Aktien von Ölservice-Gesellschaften ab. Für langfristig orientierte Anleger besonders interessant sind Minengesellschaften, die Zugriff auf langlebige Reserven in politisch stabilen Regionen bieten und die sich nicht gegen fallende Goldpreise abgesichert haben. In dieses Profil passen die Giganten Barrick und Newmont.
Viele etablierte Goldproduzenten stehen allerdings vor dem Problem, ihre Reserven angemessen aufzufüllen. “Sie werden ihr Heil noch stärker als bisher im Zukauf von kleinen Wettbewerbern suchen”, denkt Werner Ullmann. Der Chef von ERA Resources bevorzugt deshalb erfolgreiche Explorationsunternehmen, Minenentwickler und junge Produzenten, die Reserven und Produktion in den nächsten Jahren hochfahren können. In dem unübersichtlichen Markt die Spreu vom Weizen zu trennen erfordert viel Fachwissen. Für diese spekulativsteVariante der Goldanlage empfiehlt sich deshalb ein eher klein dosierter Kauf eines aktiv gesteuerten Goldminenfonds. Unmittelbarer Zugriff auf Gold aber haben Anleger nur über Barren und Münzen. Barren ab einem Gewicht von 100 Gramm und weltweit bekannte Anlagemünzen wie der 60 Millionen Mal aufgelegte Krügerrand sind Basis jeder Goldanlage. Für sie bezahlen Anleger bei seriösen Goldhändlern beim Kauf einen Aufpreis zwischen zwei und fünf Prozent auf den reinen Goldwert. Nach einem Jahr Haltedauer wären Gewinne steuerfrei. Mit Gold besicherte Wertpapiere dagegen unterliegen der 25-prozentigen Abgeltungssteuer – auch wenn der Emittent ihren Wert mit echtem Gold hinterlegt. Neben dem Steuernachteil stören auch 0,5% Gebühren, die den Goldanspruch Jahr für Jahr schrumpfen lassen.
Kommt der Goldstandard?
Wenn die Regierungen und Notenbanken es über Jahrzehnte versäumen, zu einem tragfähigen Währungssystem zurückzufinden, sucht sich der Markt eine eigenen Standard. Die Wahl des Marktes ist auf Gold gefallen, so hat es den Anschein. Gut möglich, dass der Markt den Regierungen irgendwann keine andere Wahl mehr lässt, als zu einer Währungsordnung zurückzufinden, in der Gold wieder eine zentrale Rolle einnimmt.
Notenbanken aus Ländern, deren Regierungen, Unternehmen und Bürger noch nicht in Schulden ersaufen bereiten sich auf diesen Tag vor. Große Schwellenländer wie Indien, China und Russland haben damit begonnen, ihre Währungsreserven durch den Kauf von Gold auf eine breitere Basis zu stellen. Ihre Käufe sorgten 2009 dafür, dass die offiziell gemeldeten weltweiten Goldbestände der Notenbanken erstmals seit 20 Jahren wieder gestiegen sind – um gut 390 Tonnen.
Wenn allein China den offiziell ausgewiesenen Goldanteil an seinen Währungsreserven auf den internationalen Schnitt von gut zehn Prozent bringen wollte, müsste es drei Jahresproduktionen der Minen aufkaufen. Deshalb dürften zukünftige Käufe lautlos abgewickelt werden. Durch die Ankündigung großer Goldkäufe würden diese Länder sonst den Preis in die Höhe treiben.
Die Erwartung dieser Staaten, noch einmal sehr viel preiswerter zum Zug zu kommen, dürften sich allerdings auch nicht erfüllen. Die Ankündigung des IWF von Mitte Februar, 191,3 Tonnen Gold in den Markt zu geben, verpuffte indes wirkungslos. Insgesamt will der IWF 403,3 Tonnen verkaufen. Aus dem ersten Verkauf sicherte sich im Herbst 2009 Indien 200 Tonnen, zwölf Tonnen gingen nach Mauritius und Sri Lanka. Die westlichen Notenbanken und der von den USA kontrollierte IWF haben augenscheinlich die Kontrolle über den Goldpreis verloren.



Gold als Geldanlage…
Gold wird als Geldanlage immer attraktiver. Glaubt man renommierten Analysten, so soll der Goldpreis in Zukunft noch deutlich ansteigen – und die Nachfrage nach dem Edelmetall exorbitant zulegen. Vor allem die zunehmende Inflation veranlasst Anleger da…
Trackback by Finanznachrichten.info — 11. April 2011 @ 18:37