Gold als Geldanlage
Show MenuHide Menu

Kommt der Goldstandard?

20. Juli 2009

Es ist ein vernichtendes Urteil: Die Rating-Agentur Fitch hat die langfristigen Anleihen des US-Bundesstaats Kalifornien von „A“ auf „BBB“ heruntergestuft. Damit sind die Bonds des bevölkerungsreichsten US-Staats nur noch eine Handbreit vom Junk-Bond-Status „non-investmentgrade“ entfernt.

Auch andernorts wächst die Sorge, die Schuldner könnten ihren mittel- bis langfristigen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr vollständig nachkommnen. Der IWF sieht ein halbes Dutzend Volkswirtschaften vom Bankrott bedroht. Mit Irland liegt eine vor unserer Tür.

Szenenwechsel: Währenddessen brodelt es an der Währungsfront. Explodierende Staatsschulden, Geldschwemme und die Finanzkrise untergraben das globale Geld- und Währungssystem. Der Nimbus der Leitwährung Dollar wankt. Allen voran die aufstrebenden Schwellenländer China und Russland rufen nach einer neuen starken Weltwährung.

„Das Geldsystem steht vor großen Veränderungen“, prophezeit auch Thorsten Polleit. Der Chef-Volkswirt von Barclays Capital ist sich sicher, dass die Kreditkrise nur der Vorbote der großen Inflation ist. „Das Eigenkapital im Bankensektor reicht vermutlich nicht mehr aus, das bisherige Kredit– und Geldmengenangebot aufrechtzuerhalten“, warnt der Ökonom. Die Geldproduktion via Bankenkredit werde dann nicht mehr funktionieren.

Flucht in Gold

Auch vielen Investoren wird es mulmig angesichts der drohenden Geldentwertung. Der rasante Anstieg des Goldpreises seit Ende vergangenen Jahres spricht Bände. Anleger flüchten scharenweise in Gold. So stieg der Goldumsatz in Deutschland im ersten Quartal 2009 verglichen mit dem Vorjahr um 400 Prozent. 59 Tonnen Gold gingen beim Einzelhandel über die Theke – Goldschmuck nicht eingerechnet. „Gold to go“ könnte zum Eldorado der Edelmetallflüchtlinge werden. Der Testautomat der Firma TG Gold spuckt am Frankfurter Flughafen Miniatur-Goldbarren und Münzen aus. Automatengold zu 30 Prozent Aufpreis – ein lohnendes Geschäft, das der Betreiber auf 500 deutschte, österreichische und schweizerische Stellen ausweiten will.

Bargeld statt Kredite

„In gold we trust – all others pay cash“ prangt in vergilbten Lettern in einer überfüllten Kneipe im verschlafenen Chapel Hill in North Carolina. Die Ansage ist klar: Wer auf Kredit zechen möchte, ist hier fehl am Platz. Das deckt sich mit der Erkenntnis von Thilo Sarrazin, seit Kurzem im Bundesbank-Vorstand für den Bereich Bargeld zuständig. „Die meisten Menschen halten Bargeld für Steinzeit“, bemerkt er süffisant bei der Vorstellung einer Studie der Notenbank. Das Gegenteil ist der Fall. Bargeld schlägt alle anderen Zahlungsmöglichkeiten wie Kredit- oder Kundenkarten bei Weitem.  Doch wie sicher sind Banknoten derzeit wirklich? Zeigen nicht die Flucht in Gold und die Diskussion um eine neue Weltwährung, dass der Vertrauensverlust in das derzeitige Zahlungssystem bereits unumkehrbar fortgeschritten ist? Währungsgeschichtlich betrachtet ist das staatliche Papiergeldsystem nicht der Normalfall. Üblich war, dass das Geld einem werthaltigen, nicht beliebig vermehrbaren Gut entsprach.  Weil auch das Geldsystem sich weiterentwickeln wird, erscheint das Anknüpfen an den „Normalfall“ durchaus plausibel.

Im staatlichen Kreditesystem hingegen wird auch der Marktzins künstlich gesenkt und stößt so Investitionen an, die ohne die Herabsenkung nicht getätigt worden wären. Deren Erfolg hängt zudem davon ab, dass immer mehr Kredite und Geld in Umlauf gebracht und die Zinsen weiter gesenkt werden. Das führt in die Überschuldung. Daher sollte das Geldsystem privatisiert werden. Vermutlich würde dann der Markt Gold, vielleicht zusätzlich auch Silber und Platin Geldfunktionen zuweisen. Eines Tages wird es eine Krise geben – dann ist das gesamte System bankrott.

Geschichte des Goldes

Gold als hinterlegte Sicherheit hat große Tradition. Krösus, der König der Lyder in Kleinasien, ließ im Jahr 650 v. Chr. erstmals Goldmünzen prägen, die dann offizielles Zahlungsmittel wurden. Länder mit einer Goldwährung zählten zu denen, die am längsten existierten. Mit der Einführung der Goldmünzenwährung bewahrte Cäsar Rom vor einem 400 Jahre früheren Untergang.

Der historische Goldstandard trat seinen Siegeszug von England aus im 19. Jahrhundert an. Bei ihm wurde ein staatlich festgelegter Umtauschkurs vereinbart. Der aufgedruckte Wert des Papiergeldes war zu einem vorgeschriebenen Prozentsatz in Gold hinterlegt und konnte jederzeit in Gold zurückgetauscht werden. Beides zusammen verhinderte inflationäres Gelddrucken.

Ein wesentliches Manko blieb allerdings: Weil die Goldproduktion und damit die Geldmengenentwicklung damals mit dem florierenden Welthandel nicht Schritt halten konnte, kam es zu Deflationstendenzen. Erst als 1890 die südafrikanischen Minen in Produktion genommen wurden, wurde die Wirtschaft wieder mit genügend Liquidität versorgt.

Problemfall Dollar

Als am Ende des zweiten Weltkrieges nur noch die USA über ausreichend Goldreserven verfügten, trat an Stelle des Goldstandards der Gold-Dollar-Standard. Alle Währungen wiesen einen festen Kurs zum Dollar auf, der seinerseits gegen 0,89 Gramm Gold eingetauscht werden konnte. Die Feinunze Gold kostete damals 35 Dollar. Nun war es an den Amerikanern, den Welthandel mit Liquidität zu versorgen. Weil sie immer mehr Dollar zur Verfügung stellen mussten, schwand das Vertrauen in die amerikanische Devise. 1971 zerbrach das System. Bis heute ist der Greenback in Bredouille. Die Amerikaner hielten den Motor der Weltwirtschaft am Laufen. Ihr exzessiver Konsum führte weltweit zum wirtschaftlichen Aufschwung. Mit den bekannten Folgen, dem gigantischen US-Leistungsbilanzdefizit sowie dem überbordenden US-Haushaltsdefizit.

Ein neuer Goldstandard?

Ein neuer Goldstandard würde das Dilemma beheben. Mit welcher Parität der neue Goldstandard theoretisch eingeführt werden könnte, ergibt sich aus einer einfachen Arithmetik. Man teilt die vorhandenen Staatsschulden durch den vorhandenen Goldbestand. Im Falle der USA entstünde bei einer Verschuldung von 5,6 Billionen Dollar und einem US-Goldbestand von gerundet 8000 Tonnen die neue Goldparität bei einer Unze Gold zu 21 770 Dollar. Das entspräche einer Aufwertung des Goldes auf das 78-Fache. Papiergeld hingegen würde verlieren. Die gesamte Geldmenge würde einmalig durch die Umstellung ansteigen und damit auch die Güterpreise. Doch die Verluste für die Halter des Papiergeldes sind ohnehin bereits unwiderruflich vorhanden.

Kritik am Goldstandard

Mit einem Goldstandard macht man sich abhängig vom Goldmarkt, halten Kritiker den Befürwortern eines goldhinterlegten Geldstandards entgegen. Wenn es in Südafrika einen Minenstreik gibt oder die Goldfunde ausbleiben, müssen wir die Geldpolitik an diesen Problemen ausrichten. In der Tat handelt es sich auch beim Gold um eine endliche, wenngleich nicht erschöpfte Ressource. In vielen Ländern ist die Hauptförderung längst überschritten. Wird Gold knapp, steigt dieses im Wert. Dann müsste bei einem Goldstandard auch die Geldpolitik angepasst werden. Andererseits hätte ein steigender Goldpreis sinkende Güterpreise (ausgedrückt in Gold) zur Folge. Damit wäre wieder ein neues Marktgleichgewicht erreicht.

Die Politik und der Goldstandard

Noch sind vor allem Politiker nicht bereit, die Argumente für und wider ein neues wertgedecktes Geldsystem zu erwägen. Beim G8-Gipfel vergangene Woche kippten die USA und Europa schlicht die Debatte über den Dollar – ein Affront gegen Russland und China, die die Bühne für diese Diskussion nutzen wollten.

Derweil rüstet aber ein ganz anderes Haus zum Goldstandard-Treffen. Pünktlich zum 65. Geburtstag der denkwürdigen Konferenz in Bretton Woods lädt das „Mount Washington Resort“, damaliger Konferenzort, am 25. Juli zum Jubiläumstreff. Goldstandard-Nostalgiker nächtigen dann zwei Tage zum Sonderpreis von 194 Dollar – Sachwerte wie Frühstück, Dinner und Überraschungsgeschenk sind im Goldstandard-Package inbegriffen.

Ähnliche Artikel

Goldstandard: Die Lösung? Bis 1974 basierte das weltweite Währungssystem auf dem Goldstandard. Jede Notenbank konnte die Geldmenge nur erhöhen, wenn sie entsprechende Goldreser...
Arbeitet Russland am Goldstandard? Putins Reich ist in einer schweren Krise. Durch die Santionen des Westens und durch das Überangebot am Öl-Markt hat sich ein herber Verfall des Rubels...

2 Kommentare
5. November 2009 at 17:36

Schöne Zusammenfassung! vor allem weil sie ganz ohne die weit verbreiteten weltfremden Spinnereien auskommt.

28. November 2009 at 03:26

Hallo

Ich würde ja sagen, Gerüchte hin oder her, man darf Gold als Anlage nicht unterschätzen. Wie heißt es so schön? Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast 😉 Über längere Zeit wird sich der Preis so oder so wieder stabilisieren – so war es schon immer und so wird es auch immer bleiben

Gruß, Konstantin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.