Warum ist Gold besser als Geld? -Teil 1

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Finanzkrise, Bankrott der Staaten, Angst vor Inflation: Es gibt viele Gründe, warum jeder Bürger Münzen und Barren besitzen sollte. Und welche Chancen bieten Goldaktien?

Das Undenkbare wird jetzt wahrscheinlich: Eine Spaltung der Europäischen Union. “Der Euro steht vor seiner stärksten Herausforderung, die er je zu bewältigen hatte”, sagte die Kanzlerin Angela Merkel und fordert einen Vertrag, “in dem es in der Ultima Ratio sogar möglich ist, ein Land aus dem Euro-Raum auszuschließen”.  Wenn wir uns damit mal nicht ins eigene Knie schießen …

Wann und wie man hier in Europa das hoch verschuldete Griechenland unterstützen will, ist noch längst nicht klar. Michael Meister, finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion empfiehlt den Griechen, sich erst mal an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu wenden. Jean Claude Trifonds (IWF), Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) und der französische Präsident Sarkozy wollen dagegen, dass die EU helfend eingreift. Trichet sagte zuvor, dass er es für eine absurde Hypothese halte, dass ein Land aus der Währungsunion austritt.

“Ich bin sicher, dass das System entweder zusammenbrechen wird oder dass ein oder mehrere Mitgliedsstaaten austreten werden”, sagt Albert Edwards, Stratege der französischen Großbank Société Générale. Edwards ist bekennender Pessimist, aber einer, der schon oft recht behalten hat. Er glaubt, dass im Grunde alle Regierungen pleite seien. So würden sie die Notenpressen wieder anwerfen und versuchen, sich über eine Inflation aus der Schuldenkrise zu retten.

Das wahrscheinlichste Szenario ist für ihn: Eine Hyperinflation mit Teuerungsraten von bis zu 30 Prozent, die spätestens in 10 Jahren zum Vorschein kommt. Anleger bereiten sich auf dieses Szenario vor. In Frankfurt wird zunehmend über Banker hergezogen, die sich Gold zu Hause in den Tresor legen. Zahlen stützen diese Gerüchte: 2009 kauften Investoren weltweit 1775 Tonnen Gold – 50 Prozent mehr als im Jahr 2008. Sie alle halten Gold für das bessere Geld, besser als Dollar, Euro, Pfund oder Yen. “Intelligente Menschen sehen schon, dass wenn man die Geldmenge erhöht, eine Papierwährung gegenüber einer Währung, deren Menge nicht erhöht werden kann, verliert”, sagt Marc Faber. Der Investmentprofi rät seit Jahren zum Aufbau einer glänzenden Reserve aus physischem Gold.

Dass die Lage ernst ist, bestreiten auch weniger pessimistische Naturen nicht. Peter Bernholz zum Beispiel, Professor an der Universität Basel, der früherere Hyperinflationen untersucht hat. Allerdings seien die das Ergebnis von gewaltigen öffentlichen Haushaltsdefiziten gewesen, die finanziert wurden durch Geld druckende Notenbanken. Die Schwelle zur Hyperinflation war stets erreicht, sobald Regierungen etwa 40 Prozent ihrer Ausgaben über neue Defizite finanzierten. 2009 hat die US-Regierung unter Obama diese Grenze überschritten. 2010 wird sie das erneut tun: das Weiße Haus rechnet mit einem Defizit von gut 10 Prozent der US-Wirtschaftsleistung – etwa 40 Prozent der geplanten Regierungsausgaben.

Die Schlüsselfrage lautet: Wie lange werden Investoren den USA und anderen bis über beide Ohren verschuldeten Staaten zu den aktuell niedrigen Zinsen noch Geld leihen? Besitzern von US-Staatsanleihen bleibt schon Abzug der offiziellen mehrfach gedrückten Inflationsrate nur eine reale Rendite von einem Prozent. Edwards rät Anlegern von langfristigen Staatsanleihen ab – aus guten Gründen. Edwards ist ein Außenseiter, noch kaufen Anleger und Überschuss-Staaten weltweit – allen voran China – Staatspapiere. Selbst griechische Bonds gingen zuletzt gut über den Ladentisch. Sobald Investoren aber beginnen, den Regierungen die Kreditlinien zu kappen, bleiben denen nur noch die Notenbanken als Käufer der letzten Instanz.

Noch näher am Ruin als die USA ist Großbritannien. Die Bank of England dürfte die erste Zentralbank sein, die ihre Notenpresse erneut anwerfen wird, um die  Inselwirtschaft über Wasser zu halten. Auch in Japan steht man mit dem Rücken zur Wand. Die Staatsschulden konnten dort nur deshalb deshalb auf 200 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen, weil Japans Sparer ihre Regierung fleißig finanzierten. Doch nun braucht die alternde Bevölkerung ihre Ersparnisse für den Ruhestand. Die Regierung wird sich nicht ewig billig finanzieren können. Sollten die Zinsen in Japan steigen, droht dort auch ziemlich schnell der Staatsbankrott – oder eine hyperinflationäre Abwärtsspirale des Yen.

Wer genau rechnet, sieht auch, dass die Regierungen der Industrieländer ihren Bürgern auch außerhalb ihrer Staatshaushalte ungedeckte Schecks auf die Zukunft ausgestellt haben. Dazu zählen künftige Renten- und Pensionsleistungen, deren Finanzierung in den Sternen steht. Addiert man all diese Verpflichtungen zu den Schulden und setzt die Summe ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung, dann sind viele Industrieländer heute praktisch schon insolvent. In den USA betragen die Gesamtschulden gut 500 Prozent des BIPs, in der EU im Durchschnitt rund 450 Prozent, in Deutschland etwa 420 Prozent.

Sichtbar wird Insolvenz aber erst, wenn die Liquidität versiegt.  In der Finanzkrise haben die Notenbanken demonstriert, dass sie beliebig Geld und Kredit schaffen können. Gefährlich wird es, wenn die vor allem im Finanzsystem gestaute Liquidität in Umlauf kommt, wenn Preise anziehen und Inflationserwartungen sich verfestigen. Dann wird sich die Umlaufgeschwindigkeit des Papiergelds schlagartig erhöhen, weil Menschen, eine weitere Inflation fürchtend, sich rasch von ihm trennen wollen. Spätestens dann wird die Investment-Nachfrage nach GOLD steil ansteigen und nicht nur die Deutschen Gold kaufen.

Ist Gold nicht dynamisch?

Noch, und das ist beruhigend für Gold-Anleger, steht die Masse der Menschen dem gelben Edelmetall kritisch gegenüber: “Gold, hören Sie auf damit, das hat doch keinen Nutzen”, sagt Christoph Bruns. Gold sei keine dynamische Form der Geldanlage, kein Vergleich zu Aktien, sagt der ehemalige Star-Fondsmanager von Union Investment. Richtig ist: Gold ist kein Randthema mehr, sondern mittlerweile vorgedrungen bis in die Spots der Billig-TV-Sender. Wenn sich dort der Ex-Fußballmanager Rainer Calmund zu Gold äußert, geht es allerdings nur darum, wie man seine Klunker zu Geld machen kann – weil Gold ja gerade so teuer sei. Die wahre Bedeutung von Gold wird jedoch von Konsumenten und Anlegern weiter ignoriert. Auf den Punkt gebracht hat diese 1912 der legendäre US-Banker John Pierpont Morgan: “Gold ist besser als Geld – und sonst nichts“. Tatsächlich ist Gold seit Jahrtausenden ein konstanter Wertspeicher und deshalb auch ein stabiles Wertmaß. Es hat bisher noch jede Papierwährung, jeden Staatsbankrott und jeden Krieg überlebt. Gold ist an kein Schuldversprechen einer Regierung gebunden, Gold geht nie pleite. Nicht Gold gewinnt, es sind die Papierwährungen, in denen Gold gemessen wird, die den Bach runtergehen.

Sicher, in den Achtziger- und Neunziger Jahren wurde der Status von Gold reduziert, auf den eines Rohstoffes, aus dem Juweliere Schmuck herstellen und Zahnärzte Kronen. Schuld daran war der Boom in den Jahren zuvor: Zwei Ölkrisen, steigende Staatsverschuldung und hohe Inflationsraten hatten in den Siebziger Jahren eine Flucht in Sachwerte ausgelöst. Beim Gold mündete diese Entwicklung in eine Spekulationsblase, die am 21. Januar 1980 bei einem Goldpreis von 850 Dollar platzte. Der Unterschied zu anderen Anlageblasen: Selbst wer damals zum Höchstkurs Gold kaufte hat bis heute kein Gold verloren. Viele Aktionäre können das von ihren Investitionen nicht behaupten. Mit extremen Leitzinserhöhungen der US-Notenbank unter ihrem damaligen Vorsitzenden Paul Volcker, heute Berater von Präsident Obama, endete Anfang der 80er Jahre die Phase hoher Inflationsraten. Finanzanlagen brachten danach wieder reale Vermögenszuwächse. Schuldenkrisen und Hyperinflation gab es auch damals, aber weit entfernt, in Bananenrepubliken.  Daheim konnte man sich ja auf die Bundesbank verlassen, auf die Deutsche Mark, auf solide Schuldner und auf Aktien, die allem Anschein nach nur steigen konnten.

Diese Epoche prägte eine ganze Generation von Anlageexperten, Ökonomen und Journalisten – und auch den erfolgreichen Fondsmanager Bruns. Doch die Generation “Jahrhunterthausse” tut sich schwer daran zu erkennen, dass die Zeiten sich geändert haben, dass Gold dabei ist, sich wieder als “ultimative Währung” zu etablieren, wie der ehemalige Chef der Fed zu sagen pflegte.

Immer mehr Anleger erklären Gold zwar zu ihrer persönlichen Leitwährung. Doch noch sind sie eine Minderheit. Nur etwa ein Prozent des weltweit verwalteten Vermögens steckt direkt – oder indirekt über Fonds in Gold. Das sei die eigentliche Anomalie, sagt der Chefstratege des kanadischen Vermögensverwalters Sprott Asset Management. Er glaubt, dass die Mehrheit der Investoren die historische Gold-Hausse noch gar nicht erkannt haben. Vor zehn Jahren haben die begonnen – und sei noch lange nicht vorbei. Bevor dieser Aufschwung startete, durchlief Gold eine fast 20 Jahre andauernde Baisse. Von seinem Hoch bei 850 Dollar 1980 fiel der Unzenpreis bis auf 252 Dollar am 20. Juli 1999. Heute heißt dieses Tief von 1999 auch “Brown-Boden”, benannt nach dem jetzigen britischen Premierminister Gordon Brown. Der war damals nämlich Finanzminister und verschleuderte die Hälfte der britischen Goldreserven zu Niedrigstpreisen.

Das Gold der Bundesbank und der EWF

Auch in Deutschland versuchten Finanzminister, den Zugriff auf das Gold der Bundesbank zu bekommen. Sie scheiterten. Theo Waigel etwa, der 1997 die Goldreserven neu bewerten und mit dem Aufwertungsgewinn seine Neuverschuldung drücken wollte. Hans Eichel kritisierte 2004 die Bundesbank, weil sie nicht die ihr im Rahmen des internationalen Goldabkommens zugeteilte Option zum Verkauf von 120 Tonnen Gold ausschöpfte. Das sei kein verantwortungsvoller Umgang mit Volksvermögen. Im Nachhinein lag Eichel falsch: 2004 kostete eine Unze 380 Euro, heute um die 820. Zuletzt geisterte das Bundesbank-Gold durch die Debatte um einen geplanten Europäischen Währungsfonds (EWF). Der könnte künftig nach dem Vorbild des IWF Euro-Staaten mit Zahlungsproblemen Kredite gewähren – und im Gegenzug Reformen einfordern.

Merkel und Bundesfinanzminister Schäuble sind dafür, auch wenn die Kanzlerin wohl noch nicht weiß, woher das Geld für den Fonds kommen soll. Aus der Spitze der EZB dagegen dringen Disharmonien: Chefvolkswirt Jürgen Stark und Bundesbankchef Axel Weber lehnten einen EWF zunächst glatt ab, EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi sagte dagen, dass wichtig sei, an einem solchen Mechanismus zu arbeiten. Fester stehen die Reihen in der Frage, ob man nicht das Gold der Bundesbank in den Fonds packen könnte. Sollten sich die Pläne bestätigen, würden sie auf entschiedenen Widerstand der Bundesbank stoßen, heißt es aus der Notenbank. “Das ist Unsinn”, so Merkels Sprecher Ulrich Wilhelm in Berlin. Gut so, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Wer jetzt an die Goldreserven gehen will, demontiert die Glaubwürdigkeit der Finanpolitik. Das Misstrauen der Menschen in diesen Zeiten ist hoch. Gold hat als letzter Stabilitätsanker wieder stark an Bedeutung gewonnen. Den zu beschädigen, ist gefährlich.

Das Gold der Notenbanken

Viele westliche Zentralbanken, allen voran die Bank of England, begannen Anfang der Neunziger damit, ihre Goldbestände auf den Markt zu bringen. Das Gold stammt aus der Zeit, als Papierwährungen noch mit Gold gedeckt sein mussten. Die offiziell ausgewiesenen Bestände von Notenbanken und IWF schrumpften zwischen 1989 und 2008 um gut 6000 Tonnen. Gerechtfertigt werden Verkäufe von Staatsgold bis heute damit, dass die Staaten ihre Währungsreserven breiter streuen müssten. Außerdem bringe Gold keine regelmäßigen Einnahmen im Vergleich zu verzinsten Paperanlagen. Die Notenbankverkäufe veranlassten viele Goldproduzenten, aus Furch vor weiter fallenden Preisen immer größere Mengen ihrer zukünftigen Produktion vorab zu verkaufen. Das Goldangebot stieg. Zugleich ermöglichten die Notenbanken ausgewählten Geschäftsbanken ein lukratives Geschäft mit Gold: Die Banken leihen gegen eine minimale Gebühr Gold bei einer Zentralbank, verkaufen es am Markt und legen den Erlös verzinst an. Später kaufen sie das Gold wieder ein, um es der Zentralbank zurückzugeben – so die Theorie. Solange der Goldpreis fällt, ist das ein narrensicheres Geschäft. Verluste drohen, sobald der Goldpreis rasant steigt – oder wenn am Markt nicht genügend Gold aufzutreiben ist, um die Gold-Schuld bei der Notenbank wieder begleichen zu können.

Im Leihgeschäft könnte sie Einnahmen erzielen und somit einen Beitrag zur Deckung der Lagerkosten generieren, sagt die Bundesbank. Der Anteil des verliehenen Goldes an den gesamten ausgewiesenen Goldbeständen – zuletzt gut 3400 Tonnen mit einem Marktwert von 90 Milliarden Euro – bewegt sich im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Nachprüfen lässt sich das nicht: Der IWF hat den Notenbanken geraten, in ihren Bilanzen Gold und Goldforderungen nicht zu trennen. Dabei unterscheiden sich Goldforderungen aus verliehenem Gold in ihrer Qualität ganz erheblich von Goldeigentum. Gold bleibt, Goldforderungen aber können Not leidend werden. Die Notenbank von Portugal etwa verlor in den Achtziger Jahren 17 Tonnen Gold, als ihre Vertragspartnerin, die US-Investmentbank Drexel Burnham in Konkurs ging.

Fortsetzung des Artikels

1. April 2010
Posted in Gold als Inflationsschutz — goldanlage @ 11:16

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